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Japanreise – Spurensuche

Handwerkskünste – zwischen Tradition und Moderne

Im Herbst 2019 stand endlich wieder eine Japanreise an. Als Ebenist und Restaurator von antiken japanischen Möbeln, Tansu, zieht es mich regelmäßig beruflich in das Land meiner Träume.
Diesmal sollten meine Kontakte in Tokyo zu Antiquitätenhändlern und Restauratoren vertieft werden und als Höhepunkt war ein Ausflug nach Shimane geplant. Eine bergige Küstenpräfektur am Japanischen Meer, die viel traditionelles japanisches Handwerk zu bieten hat.

Denn im Fokus meiner Reise stand die Frage, wie traditionelle Handwerkskunst heutzutage überleben kann, wo ihre Berechtigung für die heutige Zeit liegt. Eine Frage, die mich in meinem Beruf immer wieder beschäftigt, in einer Welt, in der dafür kaum noch Platz ist.
Wie stellt sich aber die Situation in Japan dar? Einem Land, in dem Kunsthandwerk den Schönen Künsten zugerechnet wird und tief in der Kultur des Landes verankert ist. Traditionelle Handwerkskunst ist eng mit der Japan eigenen Ästhetik verbunden und findet sich in Gartenkunst, Keramik, Holzbau oder der Schmiedekunst wieder, um nur einige Beispiele zu nennen. Ist sie also in Japan noch lebendig oder auch hier vom Aussterben bedroht?
Im Folgenden werde ich fünf Betriebe vorstellen, die es auf ganz unterschiedliche Weise schaffen, traditionelles Handwerk und dessen Produkte in die heutige Zeit zu transformieren und dadurch zu verbreiten.

Mein erster Besuch führt mich zu Kanarusha Antiques. Einem der größten Antiquitätenhändler Tokyos, spezialisiert auf Tansu, antike japanische Kommoden aus der Edo-, Meiji- und Taisho Periode. Kanarusha betreibt eine kleine Galerie in der Innenstadt und einen großen Showroom mit Lager und Restaurationswerkstatt am Rande von Tokyo.

Die angebotenen Stücke sind hochwertig und ihr Eindruck ist authentisch. Natürlich interessiert mich vor allem die Situation in der Werkstatt. Wie wird hier restauriert und mit der jahrhundertealten Tradition der Möbelkunst umgegangen? Ein Blick genügt: Sauber aufgereiht strahlen mir traditionelle Werkzeuge wie Kanna (Hobel), Nomi (Beitel) und Nokogiri (Sägen) in allen Größen und Variationen entgegen. Hier sind echte Liebhaber am Werk. Bei Kanarusha wird sogar noch ganz traditionell auf dem Boden sitzend gearbeitet.

Sowohl der Kanna wird auf der niedrigen Hobelbank kniend zum Körper über das Holz gezogen, wie auch Metallarbeiten mit dem Hammer sitzend auf dem Boden ausgeführt werden. Hier sieht man traditionelles japanisches Handwerk, kunstvoll, in sehr authentischer Form und ganz lebendig. Die sehr edel restaurierten Tansu sind Zeugen davon. Teilweise mit einem Stahlsockel modifiziert, erheben sie den Status von Design Objekten. www.kanarusha.com

Mein nächster Besuch führt mich zu Kominca Antiques. Auch hier geht es um Tansu, die allerdings nicht hochwertig restauriert, sondern zu Kunstwerken transformiert werden. Ich besuche Kominca in einer Galerie in Tokyo. In der Ausstellung sind antike Möbel zu sehen, die auf ganz unterschiedliche Weise von kooperierenden Künstlern und Designern gestaltet wurden.

Kominca hat es sich zur Aufgabe gemacht, antike Tansu, die vielerorts, vor allem in ländlichen Regionen, immer noch als Trödel angesehen werden, aus ihrem traditionellen Kontext zu lösen und durch künstlerische Umgestaltung aufzuwerten. Hierfür ist eine ganz neue Sichtweise nötig, die aber in der Metropole Tokyo ihren Nährboden findet. Kominca agiert an zwei Standorten: Toyama mit Showroom, Lager und Werkstatt, Tokyo als Vertriebsort. www.yesantique.official.ec

 

Nach eintägiger Zugfahrt von Tokyo aus ,erreiche ich Hamada in Shimane. Bekannt ist die entlegene Region vor allem für ihr berühmtes Sekishu Washi, dem handgeschöpften ‚Japanpapier‘, wofür es den Status „UNESCO Weltkulturerbe“ erhalten hat. Diese Auszeichnung wird nur vergeben, wenn ein Produkt mit dem dazugehörigen Handwerk ganz traditionell nach der ursprünglichen Überlieferung ausgeführt wird. Das möchte ich erleben, und tatsächlich: In dem kleinen Familienbetrieb `Sekishu Washi Kubota` wird Papier noch wie vor 1000 Jahren hergestellt, in reiner Handarbeit. In der kleinen Werkstatt wird mir die Produktion anschaulich erklärt. Bis die fertigen Washi Blätter auf Holzplatten trocknen, ist ein langwieriger Arbeitsprozess nötig. Vor allem kommt es auf die richtige Konsistenz der Lösung an, aus dem das Washi Papier geschöpft wird. Sie besteht aus Wasser und den Fasern des Bastes vom Maulbeerbaum. Diese wird durch intensive Handarbeit mit dem Messer von der Rinde geschabt, nachdem sie durch Kochen vom Holz gelöst wurde. Das in dieser Art hergestellte Papier zeichnet sich vor allem durch lange, dichte Faserverbände aus, die das Material sehr stark machen . Es ist besonders geeignet zur Bespannung von Shoji (Schiebetüren), Fenstern und Lampen. Des weiteren wird es zur Herstellung von Masken und Kunstobjekten sowie als Schreibpapier für die Kalligrafie genutzt. Alles typisch traditionelle japanische Produkte und Techniken, die als nationales Kulturgut, unterstützt von der japanischen Regierung und UNESCO, am Leben erhalten werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. www.sekishu.jp/kubota/english/

 

 

Nach einer kurvigen Fahrt durch waldige Berglandschaft voller Sugi (jap. Zeder) und Hinoki (jap Cypresse) führt mich mein Weg zu Yoshiharawoodworks. Ebenfalls ein Familienbetrieb mit Werkstatt und eigener Planungsabteilung, spezialisiert auf `Kumiko`, eine feine, dekorative Holzbearbeitungstechnik, die vor allem in der traditionellen japanischen Architektur Anwendung fand. Kleine Holzstäbe werden in Rastern zu sich wiederholenden, geometrischen Mustern gefügt, um damit Shoji (Schiebetüren), Ranma (Wandpanelen), Fenster und Wandschirme zu verzieren. Empfangen werde ich von Erika, einer jungen Frau, die hier als Designerin arbeitet. Es fällt auf, dass in der großen Werkshalle auffallend viele junge Leute, darunter viele Frauen, beschäftigt sind. Erika erklärt mir, dass es sich bei Yoshiharawoodworks um einen modernen Betrieb handelt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, traditionelles Handwerk für die junge Generation wieder attraktiver zu gestalten. Die Herstellung der fragilen Muster ist sehr aufwendig und wird zum größten Teil in langwieriger Handarbeit geleistet. Die Mitarbeiter erklären mir, große Erfüllung im kreativen Handwerk zu finden. Der Betrieb hat es auch geschafft, das traditionelle `Kumiko` neu zu definieren und in einen modernen Kontext zu setzen. Yoshiharawoodworks sind sehr gefragt und bedienen Aufträge im Bereich Interieurdesign im ganzen Land und darüber hinaus. Gerade für die Gestaltung von repräsentantiven Geschäftsäumen in Verbindung mit Licht ist `Kumiko` sehr eindrucksvoll und beliebt. www.yoshiharawoodworks

 

Als letzte Station führt mich mein Weg zu Sukimono, Designbüro mit eigener Möbelwerkstatt, die sich auf dem Gelände einer alten Ziegelfabrik, in einem kleinen Dorf unweit der Küste, befindet. Ein riesiges Areal mit Werks – und Lagerhallen voller alter Materialien wie Balken, Bohlen und traditionellen Holzbauelementen lädt zur Entdeckung ein. Auch viele Tansu sind vorhanden, und ich spüre sofort, hier geht es um die Transformation von alter Kultur zu etwas Neuem.

Am Eingang zum Werksgelände steht die alte Fabrikantenvilla, ein ca. 100 Jahre altes Holzhaus, ganz im traditionellen japanischem Stil gebaut. Sukimono hat das Haus modifiziert. Jetzt dient es als `Guesthouse ́. Zwei Nächte umgeben von Tatami-Matten und den Geräuschen des alten Hauses, stehen mir bevor, inklusive Strandspaziergang und Baden im Meer.

 

Sukimono ist ein Team aus Designern, Architekten und Handwerkern mit einem Arbeitsbereich von Produktentwicklung über Interieurdesign bis kompletten Architekturprojekten. Fast alle Mitarbeiter kommen aus der Umgebung, haben teilweise in Tokyo oder anderen großen Städten studiert und sind dann wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Es ist ihnen wichtig, hier, umgeben von eindrucksvoller Natur, zu leben und zu arbeiten und das, was sie in der Ferne gelernt haben, einzubringen, um etwas Neues aus dem Alten zu schaffen. In entlegenen Gebieten wie Shimane finden sich noch Fragmente der traditionellen japanischen Kultur, allerdings ist sie bedroht. Auch hier werden immer mehr alte Holzhäuser abgerissen, ihre Inhalte entsorgt, weil sie den modernen Bedürfnissen nicht mehr genügen. Sukimono sammelt, konserviert und transformiert:

Nicht nur die alten Materialien, sondern auch die Techniken des traditionellen Handwerks, welches hier zum Medium wird. Sukimono-Möbel sind aus Massivholz, oft recycelt aus Altholz, schlicht und zeitlos, aber immer mit Raffinesse und Liebe zum Detail hergestellt. www.sukimono.co.jp

 

Anders als in Deutschland sind die traditionellen Handwerkskünste in Japan allgegenwärtig und entwickeln ihr Potenzial in Kombination mit zeitgemäßem Design. Was auffällt ist, dass gerade die junge Generation sich für ihren Erhalt stark macht. Waren noch ihre Eltern von der Amerikanisierung der Nachkriegszeit beeinflusst und tauschten alles Alte gegen neue, moderne Produkte, so findet bei ihren Kindern eine Rückbesinnung statt. Die jungen Menschen spüren, dass immer weniger vom alten Japan übrig bleibt und es an ihnen ist, die kulturellen Schätze zu bewahren. Ebenso leistet die Regierung ihren Beitrag zum Erhalt der traditionellen Handwerkskünste über Programme und Förderungen. Man darf dabei nicht vergessen, dass Japan erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach 200 Jahren der Isolation, mit der westlichen Kultur in Kontakt kam. Danach ging es rasant mit deren Assimilation voran, doch die eigenen kulturellen Wurzeln sind noch überall sichtbar und tief in den Menschen verankert. Vielleicht ist Japan deshalb sensibler für die verfeinerte Ästhetik des Kunsthandwerks, für die warmen Materialien der Natur und die hohe Qualität von kunstvoll ausgeführtem Handwerk.

Auch wenn im Alltag dem modernen, vom Westen geprägten Leben, der Vorzug gegeben wird, so lieben es die Japaner im Urlaub in einem traditionellen Gasthaus, Ryokan, oder Onsen (Thermalbad) ihre Freizeit zu verbringen. Natürlich darf hier auch das Essen nicht fehlen, Japaner lieben ihre heimische Küche und bei einem Besuch in einem traditionellen Restaurant setzen sie sich gerne wieder auf Tatami-Matten und speisen wie vor 100 Jahren.



Kooperation mit

Tereza & Iara Guedes

Performance KAMI, jap.shinto Götter

Tansu-Rauminstallation für Butho inspirierte Tanz Performance,

Lange Nacht der Bilder, BLO Ateliers, Berlin

 

 

Bauhaus meets Japan

Neu im kinoka Sortiment sind Stahlrohr Klassiker wie die Freischwinger B43/F von Thonet. Hier eine schön restaurierte Lizenz Ausführung von Mücke-Melder von 1933. Sie fügen sich wunderschön in die japanische Atmosphäre ein und bezeugen mal wieder Japan als Wiege der Moderne.

 

Japan Markt Berlin

Auf dem Japanmarkt Berlin 2018 im Birgi & Bier. Akemi präsentiert  unsere Vintage Kimono im passenden Outfit.

      Jubiläums – Ausstellung: kinoka and friends

      11 Jahre Laden Galerie Tansu ….. 11% off

 

kinoka and friends

zeigen Tansu / Keramik / Textil

und laden ein zur

Vernissage am Samstag, 9.Juni 2018, 14.00 – 20.00

Laden Galerie Tansu
Dunckerstr.7
10437 Berlin

Ausstellungsdauer 9.Juni – 22.Juni 2018
offen Do & Fr 16.00 – 20.00
Sa 11.00 – 18.00

Jörg Reinhard, Tansu, antike japanische Kommoden
Janet Lemcke, Steinzeug & Raku
Monika Alschweig, japanische Textil Kunst

 

11 Jahre Laden Galerie Tansu …….. 11% OFF für die Dauer der Ausstellung

 

 

Die Laden Galerie Tansu bietet eine grosse Auswahl an Vintage Kimono.

 

Brautkimono-Uchikake

Besuch von der Kimono – Meisterin Ann-Dorothee Schlüter am KINOKA Stand mit der Kimono Kollektion auf dem Japan Festival 2017 in der Urania, Berlin

 

Lampe Lotek

Viele wissen es ja schon,  kinoka – showroom bietet auch die Lampe Lotek an, den Design Klasiker aus den Niederlanden. 1982 von Benno Premsela entworfen und deutlich japanisch inspiriert, beleuchtet sie immer noch zeitlos den Raum. Das besondere an der Lotek ist, man kann sie in 3 verschiedenen Höhen aufbauen, oder man lässt das Untergestell ganz weg und benutzt nur den Lichtkubus. Eine Lampe = 4 Möglichkeiten.

Verkaufspreis: 110,- EUR

 

kinoka showroom
laden - galerie tansu
Dunckerstr. 7, 10437 Berlin

Fon: +49 (0)30 / 221 968 04
Mobil: +49 (0)160 / 922 294 60

E-Mail